„Meine Rolle kann nicht die des Priesters sein, denn es steht keine Kirche hinter mir. Wenn ich dennoch Rat zu geben versucht habe, so tat ich es niemals als Führer, immer nur als Mitleidender, als etwas älterer Bruder.“
Hermann Hesse hat sich stets einem „Dutzendleben“ widersetzt, bedingt durch Fremdbestimmung und Anpassung. Er kennt Roheit, Neid, Hass in der Umwelt, übersieht aber nicht unwürdige Lebensbedingungen und bleibt deshalb bei seiner Überzeugung: „Die schönste Frucht des Humanismus ist die Ehrfurcht vor dem Menschen.“
In Erzählungen, Gedichten, Briefen und Aphorismen finden sich viele kluge Anregungen des Dichters: „Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat ganz genau so viel Sinn, als wir ihm zu geben vermögen.“ Dazu zählt eine besondere Eigenschaft: "Wer eigensinnig ist, gehorcht einem einzigen, heiligen Gesetz in sich selbst. Sei du Selbst, es gibt keinen andern Weg zur Wahrheit und Entwicklung.“ Merkenswert auch der originelle Vergleich: „Fantasie ist die Mutter der Zufriedenheit, des Humors, der Lebenskunst, nur noch auf das zu hören, was Herz und Vernunft vorschreiben".
Auf seiner Suche nach den Quellen der Freude, sei es in der Natur, Malerei, Musik und Poesie, erkennt der mit den Jahren gereifte Dichter: „Je älter ich wurde, desto mehr wurde mir klar, wo ich die Quelle der Freuden und des Lebens suchen müsse. Geld war nichts, Macht war nichts. Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe.“
Hermann Hesse: Ermutigungen. Gedanken aus seinen Werken und Briefen. Zusammengestellt von Volker Michels. Frankfurt: Suhrkamp Verlag 2008. 114 Seiten, 6.- Euro